... die am häufigsten gestellten Fragen zum Australian Shepherd

 

Übersicht:
1. Stimmt es, dass Aussies keinen Jagdtrieb haben?
2. Wieviel Beschäftigung braucht ein Aussie?
3. Kaufe ich mir besser einen Aussie aus Show- oder Arbeitslinien?
4. Ist der Aussie als Familienhund mit Kindern geeignet?
5. Ist es auch sinnvoll, sich als Berufstätiger einen Aussie anzuschaffen?
6. Bekomme ich einen Aussie billiger, wenn ich auf die Papiere verzichte?
7. Eigenen sich Aussies als Rettungs- oder Therapie-Hunde?
8. “Aussie-Fieber” - Zweithund ja oder nein?
9. Spielkamerad - Wann kann ein zweiter Aussie dazu kommen?
10. Ein Aussie-Welpe soll es sein - Rüde oder Hündin?

 

1.) Stimmt es, dass Aussies keinen Jagdtrieb haben?

Nein, das stimmt nicht. Der Aussie ist ein Hütehund, und Hütehunde sind nichts anderes als spezialisierte Jagdhunde, die dem Schäfer die “Beute” zuarbeiten. Ein Hütehund treibt, schleicht sich an, fixiert (mit dem Blick) und umzingelt seine “Beute”. Er “behütet” die Tiere nicht, sondern ersetzt ein ganzes Wolfsrudel und schlüpft in die Rolle eines jeden einzelnen Wolfes. Lediglich die letzte Sequenz aus dem Jagdverhalten wurde bei den Hütehunden weggezüchtet: das Stellen und Töten der Beute.

Beim unkontrollierten Jagen von Wild liegt das besondere Problem darin, dass das Hetzen (Hinterher-Jagen) an sich für den Hund schon selbstbelohnend ist. Verhindert werden kann solch unerwünschtes Verhalten durch gut trainierten und zuverlässigen Gehorsam im Freilauf, ausreichende Beschäftigung (siehe unten), um Unterforderung zu vermeiden, eine enge Bindung des Hundes zu seinem Menschen sowie Vermeidung jeglicher Jagderfahrungen beim Junghund (bis zum Alter von 2 Jahren). Sind diese Faktoren gegeben, kann auch der jagdinteressierte Aussie zum nicht-jagenden Traumhund werden.

 

2.) Wieviel Beschäftigung braucht ein Aussie?

Diese Frage ist nur schwer oder gar nicht zu beantworten, denn das Maß, wieviel Beschäftigung ein Aussie am Tag tatsächlich braucht, hängt vom einzelnen Tier ab.

Das wichtigste bei der Erziehung eines Aussies ist das richtige Verhältnis zwischen Auslastung und Entspannung!!! Natürlich ist es wichtig, einen Aussie ausreichend körperlich und geistig zu beschäftigen, aber ebenso wichtig sind die Pausen, also die Zeiten, in denen nichts geschieht und der Hund einfach nur abschalten und entspannen soll. Versäumt man es als Aussie-Besitzer, seinen Hund gleich zu Beginn an Ruhephasen zu gewöhnen, hat man womöglich später einen Hund, der 24 Stunden am Tag nach Beschäftigung schreit ...

Sich körperlich beschäftigen, sprich sich bewegen, laufen, rennen, toben, kann ein ausgewachsener Aussie je nach körperlicher Fitness durchaus mehrere Stunden am Tag, z.B. bei ausgedehnten Spaziergängen oder als Reitbegleithund. Dabei kann es dann jedoch vorkommen, dass der Aussie trotz offensichtlicher körperlicher Auslastung dennoch “nicht genug” hat und nach geistigen Aufgaben verlangt.

Geistige Beschäftigung ist all das, bei dem der Hund mitdenken, sich konzentrieren und mit dem Menschen zusammen arbeiten muss. Das können unterschiedlichste Gehorsamsübungen, Kunststückchen, Hütearbeit, Therapie- oder Rettungshundearbeit oder Hundesportarten wie Agility, Dog Dance, Obedience, Turnierhundsport, Fährtensuche ... und und und sein.

Auslastung ist also wichtig, aber bitte nicht überfordern! Man kann und soll nicht jeden Tag Hundesport machen, und manchmal gibt es vielleicht auch Tage, an denen man mit seinem Aussie auch mal einfach nur spazieren gehen möchte oder kann. Auch das kann ein Aussie vertragen, wenn er es gelernt hat und sonst ausreichend Beschäftigung erhält. Das heißt, wenn ein Aussie regelmäßig Kopfarbeit bekommt, kann er sich darauf verlassen und wird auch an “ruhigeren” Tagen die nötige Erfahrung haben, auf seinen nächsten “Einsatz” warten zu können.

Ein gutes Durchschnittsmaß wäre beispielsweise (soll jedoch nur als grober Anhaltspunkt dienen!):
* Training: 1-2x wöchentlich in die Hundeschule zum Gehorsamstraining und/oder Hundesport (z.B. Agility, Dog Dance, Obedience, ...) oder zum Hütetraining

* geistige Beschäftigung: täglich mindestens 1/2 bis 1 Stunde Kopfarbeit (z.B. Gehorsamsübungen, Kunststückchen, Clicker Training, ... usw.), bestenfalls in mehrere kurze Einheiten aufgeteilt

* körperliche Beschäftigung: täglich mind. 2 Stunden freie Bewegung (Spaziergang) oder mind. 1 Stunde Spaziergang plus ca. 1 Stunde konstante Bewegung (z.B. als Reitbegleithund, beim Fahrradfahren oder Joggen, ...), tägliche Bewegung bestenfalls in mehrere Einheiten aufgeteilt

!!! WICHTIG !!!
Der Auslauf im Garten ersetzt nicht den Spaziergang und die Beschäftigung mit dem Hund !!!

 

3.) Kaufe ich mir besser einen Aussie aus Show- oder Arbeitslinien?

Reine Hütelinien gibt es tatsächlich noch, wenn auch in Europa im Vergleich zu anderen Schlägen recht selten. Diese Hunde werden vorrangig auf ihre Hüteeigenschaften hin selektiert und zur Zucht herangezogen. Dabei kommt es nicht auf das Aussehen an, sondern einzig darauf, ob und wie gut der Hund am Vieh arbeitet und ob und wie gut er trainierbar ist. Die Arbeitslinien sind meist kleiner und zierlicher, haben deutlich weniger Fell, was sie nur bei der Arbeit stören würde, und zeigen einen ausgeprägten natürlichen Hüteinstinkt. Außerdem wird bei den Arbeitslinien sehr viel Wert auf Gesundheit gelegt, da nur ein gesunder Hund auch arbeiten kann.

Reine Showlinien gibt es - wenn überhaupt - kaum, denn zumindest in den Vorfahren eines jeden Aussies finden sich auch immer bestimmte Hütelinien wieder, denn das war schließlich der Ursprung der Rasse. Was unter “Show-Aussies” heute meist verstanden wird, sind ausschließlich auf Schönheit gezogene Hunde, die häufig wesentlich größer sind als die Arbeitslinien und viel mehr Fell haben, wodurch sie sehr imposant wirken. Leider werden bei diesen Hunden oft gesundheitliche Risiken zugunsten der Schönheit außer Acht gelassen.

Nun gibt es aber aber nicht nur die hütenden Arbeits-Aussies oder die schönen Show-Aussies. Es kommt auch durchaus vor, dass Hunde aus Arbeitslinien sich für die praktische Arbeit am Vieh nicht eignen oder nicht trainierbar sind. Ebenso gibt es Show-Aussies, die einen ausgeprägten Hüetinstinkt haben und diesen auch am Vieh umzusetzen wissen. Nicht alle Arbeitshunde sind hässlich und nicht alle Showhunde sind “nur schön”.

Meiner Meinung nach, sollten Aussies niemals ausschließlich auf Schönheit und entgegen des Hüteinstinkts gezogen werden. Der Aussie ist erst zu dieser wundervollen Rasse geworden, WEIL er so ein guter Hütehund ist! Wenn Sie also wirklich einen Australian Shepherd wollen, nehmen Sie bitte auch diese Rasseeigenschaften in Kauf!
Sprechen Sie den Züchter Ihrer Wahl auf die Charaktere und Eigenschaften seiner Hunde und deren Vorfahren an, lernen Sie die Hunde persönlich kennen und entscheiden Sie danach, ob die Hunde dieses Züchters für Sie in Frage kommen!
Suchen Sie bereits im Vorfeld nach einem Arbeitshund für die tägliche praktische Arbeit mit Rindern, Schafen oder sonstigem Vieh, ist sicher ein Züchter von Arbeitslinien der richtige Ansprechpartner für Sie.

 

4.) Ist der Aussie als Familienhund mit Kindern geeignet?

Auch auf diese Frage gibt es kein klares Ja oder Nein. Nicht jeder Aussie ist von Geburt an kinderlieb. Grundsätzlich sollte immer gewährleistet sein, dass Hund und Kinder niemals unbeaufsichtigt miteinander allein gelassen werden, und dass der Aussie nicht auf das Dasein als Familienhund reduziert sondern seinen rassebedingten Eigenschaften entsprechend gefördert wird.

Aussies und Kinder können wunderbar harmonieren. Im Allgemeinen sehen Hunde Kinder jdoch als rangniedere Rudelmitglieder an, was durchaus zu folgenden Schwierigkeiten führen kann: Der Hund betrachtet das Kind als Spielkamerad (oftmals in einem etwas ungestümeren Umgangston) oder versucht, das Kind zu beschützen (z.B. auch vor anderen Kindern) oder zu erziehen (nach Hundeart eben ...) oder auch zu hüten (z.B. das Kind auf einer bestimmten Stelle zu halten).

Soll also ein junger Aussie in eine Familie mit kleinen Kindern, sollte bereits Hundeerfahrung vorhanden sein! Kinder und Jugendliche sollten von den Eltern unbedingt dazu angeleitet werden, das Tier respektvoll zu behandeln und Freiräume/Rückzugsmöglichkeiten zu akzeptieren. Für Kinder ist es überaus wertvoll, gemeinsam mit einem Hund aufzuwachsen und altersgerechte Verantwortung für das Tier zu übernehmen. Des Weiteren sollten sich Eltern darüber im Klaren sein, dass sie gleichzeitig Hund und Kind erziehen müssen und für beide die Verantwortung tragen.

 

5.) Ist es auch sinnvoll, sich als Berufstätiger einen Aussie anzuschaffen?

Für Ganztags-Berufstätige ohne Betreuungsmöglichkeit für den Hund ein klares NEIN!
Für Halbtags- oder stundenweise Beschäftige: Ja, vorausgesetzt, der Hund kann in der verbleibenden Zeit des Tages seinen Bedürfnissen entsprechend beschäftigt werden (siehe auch Frage 2.).

Soll der Aussie mit zur Arbeit genommen werden, sollte er von Anfang an daran gewöhnt werden. Klare Tagesstrukturen helfen dem Aussie, sich an Ruhephasen (Ruhen während der Arbeitszeit) und aktive Zeiten (z.B. Spaziergang oder Training während der Pausen) zu gewöhnen. Bei Tätigkeiten mit Kundenverkehr sollte der Aussie außerdem an den Kontakt mit fremden Menschen gewöhnt werden (der Aussie ist Fremden gegenüber oft reserviert). Sofern möglich kann der Aussie während der Arbeitszeiten durch kleine “Jobs” beschäftigt werden wie beispielsweise heruntergefallene Gegenstände aufheben oder Gegenstände zu einer bestimmten Person zu bringen ... usw.

Ist geplant, dass der Hund tagsüber während der eigenen Berufstätigkeit bei einem Familienmitglied, Bekannten oder Freund untergebracht wird, bedenken Sie, dass diese Person während Ihrer Abwesenheit für den Hund und seine Erziehung voll verantwortlich ist und körperlich und zeitlich in der Lage sein muss, den Hund sicher zu führen und ihm genau das an Beschäftigung zu bieten, was er braucht, um der gewünschte brave Hund sein zu können. Freilauf im Garten ersetzt keine adäquate Beschäftigung!

 

6.) Bekomme ich einen Aussie billiger, wenn ich auf die Papiere verzichte?

Nicht bei einem seriösen Züchter!

Erwerben Sie einen Australian Shepherd ohne FCI- oder ASCA-Papiere, handelt es sich hierbei nicht um einen anerkannten Züchter, der Australian Shepherds unter Berücksichtigung von Gesundheit, Körperbau, Charakter und Linien dem Rassestandard entsprechend züchtet. Ebenso können Sie nicht auf die Reinrassigkeit vertrauen.

Interessieren Sie sich allerdings für einen Aussie bei einem eingetragenen Verbands-Züchter, wird dieser Ihnen Welpen nur inklusive Papiere verkaufen. Denn ob das Papier dem Welpenkäufer letzten Endes ausgehändigt würde oder nicht, kann deshalb nicht den Preis eines Aussies beeinflussen, weil nicht das Anfertigen des Papiers das Teure an einem Rassehund ist, sondern

1.) die immensen Kosten, die bereits im Vorfeld lange vor dem Wurf auf den Züchter zukommen, um die Zuchtvoraussetzungen überhaupt erfüllen zu können:
Anschaffung, Fütterung, tierärztliche Versorgung der Zuchttiere, teure Gesundheits- Untersuchungen, Ausstellungen, Einrichtung und Instandhaltung der Zuchtstätte, Mitgliedschaft im Zuchtverband, ...

2.) die ebenfalls hohen Kosten, die ein Wurf mit sich bringt:
Fahrt zum Deckrüden, Decktaxe, Trächtigkeitsuntersuchungen, Aufzucht & Ernährung der Welpen, tierärztliche Untersuchungen, Entwurmung, Impfung, Chippen (oder Tätowierung) sowie augenärztliche Fachuntersuchungen der Welpen

Das heißt, der Züchter muss also mit einem bestimmten Preis kalkulieren, um seine eigenen Ausgaben zumindest decken zu können. Der übliche Preis eines Australian Shepherds liegt bei 1.000 - 1.300 Euro.

Lesen Sie hierzu auch “Warum so viel Geld bezahlen?

 

7.) Eigenen sich Aussies als Rettungs- oder Therapie-Hunde?

Hunde, die im Rettungswesen oder in der Therapie mit Menschen eingesetzt werden, müssen in erster Linie charakterstark, wesensfest und freundlich sein und über einen sehr guten Gehorsam verfügen. Weitere Eigenschaften, die die Hunde für spezielle Bereiche mitbringen müssen, können je nach Einsatzgebiet sein: ausgeprägter Beute- und Spieltrieb, gute Nasenarbeit, Bellfreudigkeit, ruhiges Verhalten, ... und und und.

Nicht jeder Australian Shepherd ist also automatisch ein guter Rettungshund oder Therapiehund, genauso wenig wie jeder Aussie automatisch gerne Agility oder Obedience mag oder in der Lage ist, tatsächlich zu hüten. Ob der einzelne Hund für eine bestimmte Tätigkeit geeignet ist, sollte daher individuell überprüft werden. Das Wichtigste aber ist, dass der Hund zu nichts gezwungen wird, sondern bei dem, was er tut, Freude hat!

 

8.) “Aussie-Fieber” - Zweithund ja oder nein?

Bei der Entscheidung, ob Sie sich einen Zweithund anschaffen oder nicht, sind einige Kriterien zu bedenken:

* Soll ein Welpe dazu kommen, sollte der Ersthund mindestens 2 Jahre alt und wirklich gut erzogen sein, damit der Junghund vom Verhalten des anderen lernen und sich der Besitzer voll auf die Erziehung des Welpen konzentrieren kann. Ist der Ersthund bereits ein älterer Genosse oder körperlich angeschlagen, sollte verantwortungsvoll überlegt werden, ob der ältere Hund in der Lage sein wird, dem stürmischen Temperament eines Welpen Stand zu halten.

* Der Zweithund sollte vom Charakter her zum Ersthund passen, daher sollte man sich folgende Dinge überlegen:
Einem ängstlichen Hund würde ein selbstbewusster Zweithund vielleicht gut tun, einen unsicheren Hund könnte ein dominanter Hund zu sehr unterdrücken, zu einem gemütlichen, ruhigen Tier passt vielleicht nicht der quirlige Charakter, aber vielleicht kann ein temperamentvolles Tier ein schwerfälliges mitreißen?
Sie kennen Ihren Hund am besten und können am sichersten einschätzen, welche Art Hund am ehesten zu ihm passen würde.

* Rüde oder Hündin? Ob Sie nun zwei Rüden, zwei Hündinnen oder ein gemischtes Paar haben ... Ob die Hunde sich später im Rudel vertragen, hängt vielmehr als vom Geschlecht vom Charakter der einzelnen Tiere sowie von Ihrer Erziehung ab!
Es gibt Fälle, da akzeptieren Rüden keine Nebenbuhler (bei kastrierten Rüden kommt das weitaus seltener vor) und es gibt Hündinnen, die sich auf den Tod nicht ausstehen können. Besonders bei gemischten Paaren kann es zu Aggressionen im Zusammentreffen mit anderen Hunden geben, weil der eine den anderen beschützen mag. Bei unkastrierten Hunden ist zu einem gemischten Paar von Rüde und Hündin nicht zu raten! Möchte man sich allerdings zu Zuchtzwecken ein Päarchen halten, sollte man sich im Vorfeld genau überlegen, ob man die Strapazen während der Hitzen der Hündin wirklich auf sich zu nehmen im vollen Umfang bereit ist.

* Kann genügend Zeit erübrigt werden? Es ist ein Trugschluss zu denken, zwei Hunde würden nicht mehr Arbei machen als einer! Klar, beim Spaziergang bleibt es die gleiche Zeit, aber es möchte doch jeder Hund trainiert werden und das geht in den seltensten Fällen gleichzeitig. Außerdem machen zwei Hunde mehr Dreck, brauchen doppelt so viel Pflege, doppelt so viel Futter, doppelt so viel Tierarztkontrollen. Auch das sollte unbedingt in die Überlegung vor dem Kauf mit einfließen!

Zwei oder mehrere Hunde sind natürlich eine wunderbare Sache, und wenn die Hunde sich gut verstehen, geben Sie Ihrem Hund so einen tollen Rudelpartner und Spielkameraden. Sie sollten jedoch bedenken, dass zwei Hunde wesentlich autonomer sind als nur einer, d.h. dass es für Sie viel leichter ist, für EINEN Hund zum Mittelpunkt der Welt zu werden als für zwei !!! D.h. je mehr Hunde Sie haben, desto größer ist Ihre Verantwortung, Ihre Hunde so zu erziehen, dass sie zuverlässig gehorchen und weder für sich noch für andere eine Gefahr darstellen.

 

9.) Spielkamerad - Wann kann ein zweiter Aussie dazu kommen?

Wenn einen das “Aussie Fieber” erstmal gepackt hat, kommt oftmals schnell der Gedanke, sich noch einen zweiten anzuschaffen. Wie schön ist es, seinem jungen Aussie beim toben, rennen und spielen mit anderen Hunden zuzusehen, und wie schön wäre es, wenn er das immer haben könnte, zuhause, mit seinem eigenen Spielkameraden ...

So verständlich dieser Wunsch sein mag, sollte doch gut überdacht werden, ob der Ersthund tatsächlich gefestigt genug ist, um
1. dem Unsinn des Welpen Stand halten zu können und
2. dem Welpen Vorbild sein zu können.

Das bedeutet, dass der Ersthund sich nicht vom Welpen mitreißen und anstecken lassen sollte, wenn es um unerwünschte Verhaltensweisen geht, wie z.B. wildes Gekläffe oder im Wald hetzen. Es schauen sich nämlich nicht nur die Jüngeren die guten Dinge bei den Älteren ab, sondern leider auch die Älteren die Dummheiten von den Jüngeren!!!

Wenn der Welpe dann etwas vom Ersthund lernen kann, sollte das natürlich möglichst nur positives sein, was wiederum voraussetzt, dass der Ersthund sehr gut erzogen ist und absolut zuverlässig gehorcht.

Soll also ein weiterer Aussie dazu, sollte der Ersthund auf jeden Fall erwachsen und charakterlich voll ausgereift sein. Bei manchen Hunden ist das mit 2 Jahren der Fall, bei anderen erst mit 3 oder 4 Jahren. Diese Zeit des Erwachsenwerdens, der intensiven Beschäftigung und Erziehung sollte jedem Hund zustehen! Kommt ein Welpe ins Haus, steht der ältere automatisch hintenan, da die Erziehung von Welpen und Junghunden wesentlich mehr Zeit in Anspruch nimmt.

Es ist ein weitverbreiteter Irrtum, dass nur junge Hunde miteinander spielen und sich gut verstehen können. Auch wenn der Ersthund 3, 4, 5 Jahre oder älter ist, kann er noch wunderbar, ausgelassen und wild mit einem Welpen spielen. Ob ein Hund einen Zweithund akzeptiert und mit ihm spielt oder nicht, ist eher eine Frage des Charakters und des Sozialverhaltens als des Alters!

 

10.) Ein Aussie-Welpe soll es sein - Rüde oder Hündin?

Immer wieder hört man, Hündinnen seien anhänglicher, sanfter, kinderlieber, würden schneller lernen und weniger Dominanz zeigen als Rüden. Rüden seien unverträglicher mit anderen Hunden und ungehorsamer als Hündinnen.

Solche pauschalen Annahmen sind allerdings ein großer Trugschluss! Es gibt zwar tatsächlich beim Aussie einige geschlechterspezifische Unterschiede, auf die ich noch eingehen möchte, allerdings betreffen die NICHT Charakter und Temperament eines Australian Shepherds! Darin stehen sich Rüden und Hündinnen in nichts nach.

Ob ein Aussie stur ist, gerne zum diskutieren neigt, sehr selbstbewusst oder eher leicht zu beeindrucken ist, ob er verschmust ist oder oder oder ... hängt nicht mit dem Geschlecht zusammen, sondern einzig mit dem Hund als Individuum! So finden sich also die unterschiedlichsten Charakterzüge gleichermaßen bei beiden Geschlechtern.

Wenn es darum geht, ob ein Hund gut mit Kindern klar kommt, ob er gehorsam ist, ob er ordentlich an der Leine laufen kann und ob er verträglich mit anderen Hunden ist, das sind alles Dinge, die maßgeblich von den gemachten Erfahrungen und der richtigen Erziehung abhängig sind.

Wenn Sie sich also bereits im Vorfeld für ein bestimmtes Geschlecht entscheiden wollen oder müssen, dann gibt es folgendes zu beachten:

Fell: Australian Shepherd Rüden werden etwas größer, schwerer und imposanter und entwickeln weitaus mehr Fell als Hündinnen. Sie wechseln ihr Fell abhängig von Jahreszeiten und Wetterlagen. Hündinnen sind durch die Hitze hormonellen Schwankungen ausgesetzt und haaren in diesem Zusammenhang regelmäßig sehr stark ab, wesentlich stärker als Rüden.
Verhalten: Rüden neigen dazu, auf Spaziergängen oder im Garten zu markieren und mit Beginn der Pubertät sich gegenüber anderen Rüden behaupten zu wollen. Durch entsprechende Erziehung kann dieses Verhalten jedoch enorm beeinflusst und somit Probleme vermieden werden. Hündinnen können oftmals recht zickig werden, wobei auch dort entsprechede Erziehung wichtig ist.
Hormone: Die meisten unkastrierten Rüden und Hündinnen erkranken im Alter irgendwann an Prostata-Krebs (Rüden) und Gesäugetumoren (Hündinnen). Krebs gilt bis heute als die häufigste Todesursache bei unseren Haushunden. Ebenso wie Rüden, wenn läufige Hündinnen wahr genommen werden, können auch Hündinnen während der Hitze unaufmerksam, unkonzentriert, unmotiviert und arbeitsunlustig sein. Von Rüden heißt es, dass sie dazu neigen, abzuhauen, wenn in der Nachbarschaft eine Hündin heiß ist. Umgekehrt trifft dies allerdings genauso auf Hündinnen zu, die sich während der Hitze nicht selten Mittel und Wege suchen, um zum Rüden zu kommen. Auch gesundheitliche, hormonell bedingte Probleme treten sowohl bei unkastrierten Rüden als auch bei unkastrierten Hündinnen auf: Prostatavergrößerung und -entzündung beim Rüden, Gebärmutterentzündung, Eierstockszysten und Scheinträchtigkeit bei der Hündin. Etwa jede dritte Hündin leidet unter Scheinträchtigkeiten nach der Hitze, was mit erheblichen psychischen und körperlichen Problemen verbunden sein kann.

Wie Sie sehen, beschränken sich die geschlechtlichen Unterschiede beim Aussie hauptsächlich auf das äußere Erscheinungsbild sowie auf mit dem Hormonhaushalt zusammenhängende Besonderheiten. Letztere fallen bei kastrierten Tieren nicht oder nur mehr in abgeschwächter Form ins Gewicht.

Natürlich gibt es in Einzelfällen Gründe, warum es das eine oder andere Geschlecht sein soll, z.B. wenn bereits ein Hund in der Familie lebt oder ein Zuchteinsatz geplant ist. Beim Welpenkauf sollte das Geschlecht des Welpen ansonsten jedoch nur eine beiläufige Rolle spielen.

 

Verfasser: Susanne Meyer, Clan EDORAS Australian Shepherds

Sollten Sie weitere Anregungen zu möglichen Fragen haben, kontaktieren Sie mich bitte über Email.

 

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