Da man mir schriftstellerisches Talent nachsagt, überlegte ich mir, ob ich vielleicht mal einen Psycho-Thriller schreiben sollte ... ???
Wie wär’s zum Beispiel mit meinem ganz persönlichen “Der-erste-Wurf-Thriller
Viel Spaß!!!

Kapitel 1: Die Hitze
Kapitel 2: Die Bestimmung des Decktermins
Kapitel 3: Das Decken
Kapitel 4: Ist sie nun trächtig?
Kapitel 5: Trächtigkeitsentwicklung
Kapitel 6: Die Geburt

- Kapitel 1: Die Hitze -

Es war einmal eine angehende Züchterin, die bei ihrer Zuckerschnute Angel seit Ende Dezember erstmal zwei Monate auf das Einsetzen der Hitze wartete. Die Hündin tat sich jedoch zu gar nichts, sie schien alle Zeit der Welt zu haben und auf besseres Wetter zu warten. Nunja, die Hündin war noch jung, Unregelmäßigkeiten im Zyklus nichts außergewöhnliches, und so blieb der Züchterin nichts übrig, als die wartenden zukünftigen Welpenbesitzer immer wieder zu vertrösten.
Das Jahr hatte jedoch außer dem bevorstehenden ersten Wurf noch ein weiteres Highlight: die Hochzeit der Züchterin und ihres langjährigen Lebensgefährten! Die Feier war für das Beltane-Fest in der Nacht vom 30. April auf den 01. Mai geplant. Es sollte eine außergewöhnliche Feier nach altem keltischen Brauch mit einer schamanischen Zeremonie werden. So kreisten also im Kopf der Züchtern ständig die Gedanken um Welpen und Hochzeit ...
Immer wieder zeigte die Hündin hitzeähnliches Verhalten, und die Züchterin meinte immer wieder: "Jetzt wird sie sicher bald heiß!" ... Pustekuchen! Doch endlich war es dann wirklich soweit und Angel kam in die Hitze - und das Mitte Februar. Perfekter konnte Angel’s Timing gar nicht sein, denn so fiel der voraussichtliche Geburtstermin der Welpen genau auf das Wochenende, an dem eigentlich die Hochzeit geplant war.
Aber als Züchter muss man eben Einschränkungen in Kauf nehmen, Hindernisse bewältigen UND Prioritäten setzen *grins* ... Da dieser Wurf seit zweieinhalb Jahren geplant war, die Hochzeit aber erst seit letzten Herbst, war sofort klar: Die Hochzeit wird verschoben! Der Hund hat Vorrang ... !

- Kapitel 2: Die Bestimmung des Decktermins -

Der erste Wurf ist für jeden Züchter etwas ganz besonderes. Die nächste Hitze wird sehnsüchtig erwartet, schließlich ist es dann endlich soweit, das Decken steht bevor, und sogleich schießen dem Züchter unendlich viele Gedanken durch den Kopf: Bloß den ersten Tag der Hitze nicht verpassen! Wann wird sie wohl deckbereit sein? Wie zuverlässig ist der Progesteron-Test beim Tierarzt? An welchen Tagen soll ich zum Rüden fahren? Hoffentlich verpasse ich den richtigen Zeitpunkt nicht! Wird sie sich überhaupt decken lassen? Wie lange wird ihre “Standhitze” dauern? ... und und und.
Und so machte auch ich alles erdenkliche, um auf gar keinen Fall den richtigen Zeitpunkt fürs Decken zu verpassen. Also ab zum Tierarzt zur Blutabnahme für den Progesteron-Test, natürlich mehrmals, ebenso Vaginalabstrich zum Testen, Beobachtung des Verhaltens der Hündin, ich bemühte sogar einen kastrierten “Test-Rüden”, um Angel’s Deckbereitschaft zu erkennen, selbstverständlich auch Beobachtung der Blutung und der Vulva.
Um den 5. Tag der Hitze schon kaum mehr Blut, Prog-Test beim Tierarzt ließ auf das Wochenende hoffen, also am Freitag nochmal zum Test, doch der sagte: “Nee, noch nicht ganz”, hm, dann ist’s vielleicht am Sonntag soweit? Für Sonntag Abend nochmal einen Termin gemacht, “Oh Mann, hoffentlich ist’s dann noch nicht zu spät!”. Dann plötzlich am Samstag wieder Blutung, zwar hell, aber ordentlich, Test am Sonntag: “Hat noch Zeit!” ...
Nächster Termin also Mittwoch früh, 13. Tag der Hitze ... Ich schon mehr als nervös. Vielleicht wär’s dann schon zu spät??? Also am 12. Tag morgens zum “Test-Rüden”, ein Kastrat, der in glücklicheren Tagen mal decken durfte ... Der arme Kerl war total hinüber, denn Angel hat ihn angegraben, was das Zeug hielt. Sie baggerte ohne Ende, forderte den Rüden zum Spiel auf, legte deutlich die Rute zur Seite, bot sich ihm an, ließ ihn riechen ... doch sprang noch quiekend zur Seite, wenn er auch nur ansatzweise aufreiten wollte. Okay, also heute noch nicht, aber morgen!
So sagte ich also der Deckrüdenbesitzerin Bescheid, dass wir morgen zum Decken kämen, egal, was der Prog-Test sagte. Das Auto wurde gepackt für die Fahrt nach Belgien, alles war bereit ... Nur das Wetter war mehr als gruselig! Unsere gute Angel hatte sich für den Decktermin das denkbar schlechteste Wetter ausgesucht: Es schneite ununterbrochen, so viel und in so kurzer Zeit wie schon seit Jahren nicht mehr, überall Chaos auf den Straßen ... ideal für eine lange Reise

- Kapitel 3: Das Decken -

1. Decktermin:
Am Mittwoch morgen ging’s dann also zuerst zur Blutentnahme zum Tierarzt (Testergebnis würde später per Handy mitgeteilt), gleich im Anschluss ab auf die Autobahn in Richtung Belgien, bei diesem Wetter durch Hunsrück, Eifel und das beglische Hohe Venn das pure Vergnügen ...
Während der Fahrt kam die Bestätigung vom Tierarzt: “Ja, Zeitpunkt ist gut! Sie wird sich bestimmt heute schon decken lassen, morgen ganz sicher”. Angel und ich kamen dann am Mittag wohlbehalten in Belgien beim Deckrüden an. Nun konnte das Abenteuer also losgehen. Ab mit den beiden Hunden auf die Felder. Doch was passierte, kaum dass sie abgeleint waren ... NICHTS! Sie gingen gemeinsam spazieren!!! Sonst nichts!
Staunen auf beiden Seiten: Sowohl ich als auch die Deckrüdenbesitzerin begannen zu zweifeln. Die beiden Hunde schnupperten einträchtig an den gleichen Stellen, schienen sich aber in keinster Weise füreinander zu interessieren. Vielleicht waren wir doch zu früh? Irgendwann war der Spazierweg zuende, die Deckrüdenbesitzerin und ich blieben kurz stehen, um uns zu unterhalten, und da passierte es: Angel ergriff die Initiative, lief auf eine Wiese und forderte den Rüden zum Spiel auf und umgarnte ihn, streckte ihm den Hintern entgegen, und als der Rüde an ihr roch, war es, als sei ein Schalter umgelegt worden. Dann ging es eigentlich ganz schnell und etwa eine halbe Stunde später konnten wir schon wieder den Rückweg antreten. Die Heimfahrt zurück nach Deutschland war furchtbar, Schneefall, schlecht geräumte Straßen ... doch schließlich kamen Angel und ich nach einigen Stunden Fahrt am Abend unversehrt wieder zuhause an.

2. Decktermin:
Am nächsten Tag sollte es wieder nach Belgien gehen. Wieder wurde das Auto gepackt, diesmal mit einer “Notfall-Ausrüstung”, da die Wettervorhersage alles andere als berauschend war und ich vom schlimmsten ausging und damit rechnete, evtl im Auto übernachten zu müssen. Alles war reisefertig ... Nein, wo war mein Geldbeutel? Ich fand ihn ausnahmsweise mal gleich und packte ihn in meine Tasche. Dann fiel mir ein, dass ich ja gestern die Deckbescheinigung vergessen hatte, die die Deckrüdenbesitzerin unterzeichnen musste, also wurde die auch noch schnell eingepackt, und dann auch noch gerade der Heimtierausweis, den man ja eigentlich bei Auslandsreisen sowieso mitführen sollte, woran ich aber gestern gar nicht mehr gedacht hatte. So, endlich war dann wirklich alles fertig und ab los ging die Fahrt.
Völlig problemlos kamen wir sehr zeitig in Belgien an. Zum großen Schrecken von mir und der Deckrüdenbestizerin gab’s wieder das gleiche Prozedere wie am Vortag: Die beiden gingen zusammen spazieren ... Auf der gleichen Wiese wieder das gleiche Spiel: Angel forderte den Rüden auf und los ging das Liebesspiel. Doch diesmal ließ sich der Rüde seeeeehr viel Zeit. Dazu kam, dass er mit der nur 2cm kleineren Hündin ein echtes Problem hatte, was seine Körpergröße betraf, aber das war nicht der Grund, er amüsierte sich eine geschlagene Stunde, sprang immer wieder drauf und stieg wieder runter, wieder ein kurzes Spielchen zwischendurch ... Es war schrecklich. Will er nicht? Will sie nicht? Doch, Angel wollte, immer wieder baggerte sie ihn an und allmählich schien sie auch etwas ungehalten zu werden, dass er sich zu nichts tat *grins*. Sie tauschten einmal sogar kurz die Rollen und Angel sprang auf den Rüden, so als ob sie ihm zeigen wolle: “Junge, so geht das, tu nun endlich deinen Job!” Doch es blieb das gleiche Spiel.
Dann wurde auch noch das Wetter absolut eklig, der Wind blies fürchterlich und es fing an, kräftig zu schneien. Zähneklappernd standen wir da und beochteten das seltsame Treiben. Irgendwann sagte die Deckrüdenbesitzerin zu mir: “Nur gut, dass du gestern mit ihr da warst, wird heute wohl nichts mehr” Hm, war es heute wirklich schon zu spät? Enttäuschung und Verwirrung machte sich bei mir breit: Würde dieser einmalige Decksprung gestern schon reichen? Oder sollte ich es morgen nochmal versuchen? War es heute schon zu spät oder gestern vielleicht noch zu früh gewesen? Aber warum hatte sie dann so super gestanden und sich so problemlos decken lassen ???
Ratlos standen wir dort im Feld, Angel und ihr Lover spielten ca. 20m von uns weg. Yanky stieg wieder mal auf Angel, obwohl sie saß ... Na, prima, so ein Dödel! ... Doch Angel hob sich für ihn und *schwubb* schon hingen sie. Wir konnten’s kaum glauben und lachten über uns: “Man braucht halt Geduld.” So hatten es also die beiden Hunde in aller Ruhe ganz alleine weit weg von uns doch noch geschafft.
Am Abend fuhren wir also wieder nach Hause. Der angekündigte Schneesturm blieb glücklicherweise aus und die Heimfahrt war sehr einfach. Doch bilde ich mir wirklich ein, es könne mal was einfach und unkompliziert laufen??? Natürlich nicht! Kurz hinter der belgischen Grenze stoppte mich die Zollfahndung. Zwei Polizisten stiegen aus und kamen mir mit einer Taschenlampe entgegen. Ich stieg aus dem Auto und wurde gefragt, woher ich denn käme.
“Vom Decken!”
“Hundezüchter also?”
“Genau.”
“Was haben Sie denn alles im Auto?”
“Na, meinen Hund, jede Menge zu essen und eine Wolldecke, weil ich damit gerechnet habe, im Auto übernachten zu müssen.”
Selbstverständlich mussten meine Aussagen überprüft werden und sie durchleuchteten mein ganzes Auto.
“Also wenn Sie mein Auto nach Drogen durchsuchen möchten, nehme ich gerne den Hund raus und sie können loslegen.”
“Ja, wir überlegen gerade.”
Oh nein, das hätte mir gerade noch gefehlt, das könnte ewig dauern ... Sie verlangten meine Papiere und die vom Hund. Au Backe, was hatte ich ein Glück, dass ich die Sachen heute morgen eingepackt hatte ... *puuuuh* Der eine der beiden ging zum Fahrzeug und gab die Daten zur Kontrolle durch. Der andere befragte mich weiter: In welchem Ort genau ich denn zum decken gewesen wäre, was das Decken denn gekostet hätte, ... usw. Dann fragte er, ob ich meine Aussagen denn auch belegen könnte, ob ich die Papiere vom dem Rüden dabei hätte. Ich erklärte ihm, dass ich die Papiere nicht mitbekomme, woraufhin er fragte:
“Aber sie müssen doch irgendwas haben, was belegt, dass Sie dort waren?”
“Ja, ich habe die Deckbescheinigung dabei, aber das ist purer Zufall!”
Er ließ sich die Deckbescheinigung zeigen, las sie sorgfältig durch, meinte, so könnten sie wenigstens sehen, dass das, was ich ihnen erzählte auch stimmte, und ging zum Polizeiwagen. Nach einer kurzen Weile kamen beide Männer zurück, gaben mir meine Papiere und sagte: “Danke schön, Sie können fahren.”
Meine Güte, so einen Dusel kann man doch gar nicht haben, oder ?!? Wer hat schon immer die Deckbescheinigung dabei?
Ansonsten verlief die Fahrt ohne Zwischenfälle. Verabredet war ein erneuter Decktermin am Samstag morgen. Freitag: das totale Schnee-Chaos, Autobahnen nicht geäumt, nichts ging mehr. Für die Nacht weitere heftige Schneefälle gemeldet ... Ob wir da wirklich nach Belgien fahren sollen???

3. Decktermin:
Der Thriller ging also weiter *grins* ... Eigentlich aber nur solange, bis wir am Samstag in aller Frühe losfuhren. Die Straßen waren schneebedeckt, aber es war kaum jemand unterwegs und es schneite auch nicht weiter. So kamen wir am Samstag Morgen zum dritten Mal in Belgien an. Es war 9.40 Uhr. Da es aber so ganz ohne Komplikationen nicht geht, erklärte mir die Deckrüdenbesitzerin, die gerad selbst einen Wurf Welpen hatte, dass sich für 10.00 Uhr Welpenkäufer angemeldet hätten, die leider nicht später konnten.
Ich schlug vor, dass wir einfach mal schauen, was die beiden so meinen, und dass, wenn Angel Yanky sofort “verhauen” und nicht mehr stehen würde, es heute sowieso zu spät wäre und wir dann ja auch gleich wieder heim fahren könnten. Falls nicht, würden wir es eben später, wenn die Welpenkäufer weg wären, Angel und Yanky nochmal probieren lassen.
Gesagt getan, also an diesem Morgen ohne Spaziergang gleich auf’s Feld gegenüber. Naja, was soll ich sagen, es dauerte noch keine 3 Minuten, Yanky sprang sofort drauf, Deckakt geglückt und 20 Minuten später standen wir pünktlich um 10.00 Uhr wieder vor der Tür der Deckrüdenbesitzerin, als gerade ihre Welpenkäufer kamen. Und wir machten uns wieder auf den Heimweg. Diesmal kamen wir gut durch, wenig Verkehr, kein Schneefall, keine Zollkontrolle ... *grins*

- Kapitel 4: Ist sie nun trächtig? -

Hm, gute Frage ... Befragt man erfahrene Züchter, so können sich tragende Hündinnen sehr unterschiedlich verhalten. Befragt man Frauen, bekommt man ebenfalls ganz unterschiedliche Erklärungen, woran sie gemerkt haben, dass sie schwanger waren.
Wenn ich jedoch eine ganz subjektive Einschätzung vornehmen sollte, würde ich sagen: Es hat geklappt. Angel schläft viel, scheint schnell müde zu werden, zieht sich beim Toben irgendwann zurück und spielt nicht mehr mit. Im Allgemeinen spielt sie etwas weniger grob und überschlägt sich beim Toben nicht mehr. Auch ist sie noch viel anhänglicher als sowieso schon, sie weicht kaum mehr von meiner Seite. Vielleicht sind das die ersten Anzeichen?
Es wird mir wohl nichts übrig bleiben, als noch bis zur Ultraschall-Untersuchung zu warten ... Boah, wie grässlich ... aber bisher scheint das ganze Thema Zucht eine einzige große Lektion für mich in Sachen “Geduld” zu sein *grins*

Aber natürlich gab’s auch hier wieder was zu lachen ... Eine Freundin von mir, die von berufswegen mit Schwangerschaftstesten (bei Frauen!) häufig zu tun hat, hatte die Idee, einen Schwangerschaftstest bei Angel zu machen. Gesagt getan, also ging’s am Sonntag (11.Tag) hinterm Haus dem Hund hinterher zum “Pipi fangen” ... Angel dachte sicher: “Jetzt spinnt die Alte total!” Jedenfalls habe ich etwas Urin von Angel gesammelt und wir haben einen Schwangerschaftstest gemacht, den meine Freundin mitgebrachte ... Schön bekloppt, was?! Na und! War lustig ... Leider haben wir zu spät gelesen, dass dieser Schwangerschaftstest ein nur ein ganz bestimmtes Hormon nachweist, das HCG - HUMANES Choriongonadotropin. Naja, und da Angel dieses menschliche Hormon nun mal nicht hat, fiel der Schwangerschaftstest auch negativ aus. Auch körperlich gibt es keinerlei Hinweise auf eine Trächtigkeit, ist ja auch noch sehr früh.
Was jedoch ihr Verhalten betrifft, würde ich es kurz umschreiben mit “schwanger - schwangerer - am schwängersten” *grins* ... Es ist der Wahnsinn: Angel ist einfach nur noch glücklich, strahlt übers ganze Gesicht, ist den ganzen Tag am wedeln. Besucher erkennen den Hund nicht wieder, weil sie plötzlich so vorsichtig und besonnen ist ... Bin mal gespannt wie das weiter geht. Sollte Angel nicht schwanger sein, ist sie mit Sicherheit die schlimmste eingebildete Schwangere aller Zeiten !!!

- Kapitel 5: Trächtigkeitsentwicklung -

Im folgenden gehe ich mal davon aus, dass Angel tatsächlich tragend ist. Auf die Ultraschall-Untersuchung habe ich mich entschlossen zu verzichten, um Angel unnötigen Stress zu ersparen. Sie geht nicht wirklich gerne zum Tierarzt, und in Absprache mit meiner Tierärztin haben wir entschieden, sie nur dann zu untersuchen, wenn medizinische Gründe vorliegen. Nur um meine Neugierde zu befriedigen ob oder ob nicht, wollte ich Angel nicht in die Praxis schleppen. Also heißt es nun: Weiter warten und hoffen!

Die ersten 3 Wochen:
In den ersten 3 Wochen war Angel sehr müde und hat viel geschlafen. Man konnte auch beobachten, dass sie sich bereits schonte. Ansonsten schien es ihr wirklich sehr gut zu gehen, sie war total gut drauf.
Was passiert körperlich während der ersten Wochen? Die befruchteten Einzellen durchwandern die Eileiter bis zur Gebärmutter, wo sie sich um den 18./19. Tag in der Gebärmutterwand festsetzen, was bei vielen Hündinnen zu morgendlicher Übelkeit, Erbrechen und Futtermäkeligkeit führt.
Angel hatte damit keinerlei Probleme, hatte guten Appetit und hat ganz normal gefressen.

4. Woche:
Aufgrund der stark zurückgeschraubten Bewegung und ihres ungebrochenen Appetits war bei Angel schon zu Ende der 3. Woche / Beginn der 4. Woche eine deutliche Gewichtszunahme zu verzeichnen. Sie hatte von ihrem Anfangsgewicht von 20,5 kg auf 21,4 kg bereits jetzt schon knapp 1 kg zugenommen. Hm, eigentlich zu früh zu viel. Also mit Züchterkollegen besprechen, was zu tun sei: Futter leicht reduzieren. Die Futtermenge wurde also um 20g/Tag gekürzt, und da sich mittlerweile auch hier im Saarland der letzte Schnee verabschiedete, konnten wir auch wieder reiten und joggen gehen.
Im Gegensatz zu den ersten 3 Wochen schien es Angel in der 4. Woche nun nicht mehr so gut zu gehen wie bisher. Sie war noch schlapper, schlief noch mehr und schien wirklich mit sich und ihrem Körper zu tun zu haben. Manchmal machte sie ein richtig betröppeltes Gesicht. Ihre Hauptbeschäftigung: schlafen, schlafen und nochmal schlafen ...

Ich nehme stark an, dass dieses Verhalten seine Ursache in der Entwicklung der Embryonen hat, die jetzt sehr schnell wachsen und eine Größe von etwa 3-4cm erreichen. Für den Körper sicher eine große Umstellung.
Gegen Ende der 4. Woche (28.03.: 28.Tag) hatte Angel trotz Futterreduzierung und gleichmäßiger Bewegung schon wieder zugenommen. Mittlerweile lag ihr Gewicht bei 21,9 kg, also nochmal 0,5 kg in 1 Woche. Da Angel jedoch nicht wirklich dick war (in Bezug auf “Fett auf den Rippen”), reduzierte ich die Futtermenge nicht noch weiter. Rein äußerlich sah man ihr die Gewichtszunahme gar nicht an. Bekommt sie etwa ‘nen Elefant???

Mittlerweile war auch die Wurfkiste endlich komplett fertig. Die Hunde fanden sie gleich total klasse und schliefen nachts drin.

5. Woche:
Nachdem ja nun endlich der Frühling eingekehrt war, konnten wir so richtig mit der “Schwangerschafts-Gymnastik” beginnen: Fitness-Training für die werdende Mama, damit Angel ausreichend Kondition für die Geburt hat und nicht fett wird. Also jeden Tag entweder Fahrrad fahren oder reiten. Der super Nebeneffekt: Meiner Kondition und Figur schadet’s auch nicht! Mein Pferd wunderte sich nur ... *grins*
Unser “Schwangerschafts-Training” zeigte Erfolg und Angel nahm gemäßigter zu, in der 5. Woche nur noch 300g. Dafür begann sich nun allmählich ihr Bauchumfang zu vergrößern. Am 32. Tag waren’s 58cm, am 35. Tag am Ende der 5. Woche schon 59,5 cm. Die Zitzen wurden nun auch langsam immer dicker.
Angel schien mit ihrer Schwangerschaft wirklich nicht sehr glücklich zu sein. Ihr Gesichtsausdruck sprach Bände, sie machte ein Gesicht wie mindestens 7 Tage Regenwetter ...

6. Woche:
Mittlerweile schien Angel wieder etwas besser drauf zu sein. Im Haus war das einzige, was sie tat, zwar immer noch schlafen, aber draußen schien sie wieder ein wenig agiler und freudiger. Nur wenn sie sich hinlegte, stöhnte sie und brummte, als könne sie sich kaum mehr auf den Beinen halten. Ich hätt’ mich jedes Mal schießen können über sie! Ihr Appetit wuchs von Woche zu Woche, und damit auch ihr Hang zum betteln ... oder zum klauen ...
Am 38. Trächtigkeitstag hatte Angel bzgl. Gewichtszunahme dann auch die 2Kilo-Marke geknackt und lag bei 22,5 kg. Ihr Bauch war etwas schneller gewachsen (Bauchumfang 63 cm!) und mittlerweile konnte man auch äußerlich deutlich sehen, dass da nicht nur Fell war. (Allerdings kommt das auf den Bildern nicht sooo deutlich rüber wie in natura, hoffe, man kann’s trotzdem erkennen.)

Mittlerweile hatten auch die letzten Besuche von Welpeninteressenten stattgefunden und Angel befand sich also ab sofort im wohl verdienten “Mutterschafts-Urlaub”.

7. Woche:
Am Anfang der 7. Woche ging’s Angel prima, sie war richtig gut drauf, bis auf die Tatsache, dass sie eigentlich ständig ganz fürchterlich Hunger litt *grins*.
Zu Beginn der 7. Woche hatte Angel auch wieder deutlich zugelegt: Ihr Gewicht liegt nun bei 23,3 kg und ihr Bauch hat bereits einen stolzen Umfang von 66 cm. Angel’s Schwangerschafts-Bäuchlein wuchs zusehends von Tag zu Tag. Ich war so gespannt, wann ich die ersten Bewegungen der Welpen spüren würde ...
Jeden Morgen legt sich Angel auf den Rücken und erhält eine ausgiebige Massage und jede Menge Tellington-Touches auf ihrem straffen Bäuchlein. Ihre Augen schließen sich dabei und sie genießt es sichtlich.
Angel verhielt sich bisher einfach wunderbar: Sie passte sehr gut auf sich und ihre ungeborenen Babies auf, tobte und rannte überhaupt nicht mehr mit den anderen Hunden und war sehr vorsichtig bei allem, was sie tat. Sogar wenn sie neben uns lag und es bewegte sich jemand, stand sie sofort auf und legte sich woanders hin, nur damit bloß niemand zu fest an ihren Bauch stoßen könnte!

Hier ein “Bauch-Bild” *grins*

Zum Vergleich: So sieht Angel normalerweise aus, wenn sie auf dem Rücken liegt:

Leider hat mir Angel dann ab Mitte der 7. Woche doch ziemliche Sorgen bereitet ... Sie hatte sich einen Magen-Darm-Infekt zugezogen, erbrach und hatte Durchfall, wodurch sie leicht abnahm. Auch ihr Bauchumfang verringerte sich ein wenig, so dass ich mir wirklich Sorgen machte. Eine mehrtägige leckere Reis-Huhn-Hüttenkäse-Diät wurde verordnet, worüber sich die Hunde natürlich sehr freuten.
Auch ansonsten veränderte sich plötzlich Angel’s Verhalten: Sie find wieder an, mit den anderen Hunden toben zu wollen ... Also: Leinenzwang!
Das ganze ging damit einher, dass sich Angel’s Bauch bereits senkte. Der Bauch rutschte nach unten, so dass er nun eher die Form einer Birne hatte. Auch das Milchgesäuge war jetzt bereits leicht angebildet. Sie war also früh dran, die gute Angel ...

8. Woche:
Gleich zu Beginn der 8. Woche kam unsere Tierärztin bei uns zuhause vorbei, um sich Angel anzusehen. Angel, die sonst Tierarztbesuche in der Praxis nicht so toll findet, genoss die Untersuchung sogar, legte sich entspannt neben die Tierärztin und ließ die ausgiebige Untersuchung ganz relaxed über sich ergehen. Aus tierärztlicher Sicht gab es keinen Grund zur Besorgnis, da Angel’s Allgemeinzustand und ihr Verhalten keine Rückschlüsse auf Probleme zuließen.
Gegen Mitte der 8. Woche war dann dank der Diät auch Angel’s Stuhlgang wieder ganz normal und sie erbrach nicht mehr. Sie schien von Tag zu Tag munterer und fitter zu werden und machte auf den Spaziergängen immer öfter Anstalten, mit ihren Hundekumples rumzutollen. Hm, jetzt war sie die ganze Zeit so vorsichtig gewesen und nun fing sie an, die Wilde zu spielen ... Na prima ... Also weiterhin Leinenzwang!
Zum Ende der 8. Woche hin hatte Angel dann auch wieder etwas zugenommen. Das frühsommerliche Wetter (Temperaturen zw. 20°-25°) machte ihr nun doch etwas zu schaffen und so wurde sie jetzt doch noch etwas ruhiger *grins*.

Hier einige akutelle Photos von Mama Angel auf ihrer Sonnenliege und im Gras neben ihrer Schwester Finn, wo man deutlich den Unterschied zwischen schwanger und nicht schwanger sehen kann:

9. Woche - die letzten Tage vor der Geburt:
Nun, wo es in den Endspurt ging, suchte Angel ständig meine Nähe und wich mir keinen Schritt mehr von der Seite. Sie atmete schwerer und man merkte deutlich, dass sie ihr “Päckchen” zu tragen hatte und immer schwerfälliger wurde. Dadurch waren nun nur noch kürzere Spaziergänge möglich, dafür dann halt mehrmals am Tag. Auch die Treppen wurden nicht mehr hochgerannt sondern Stufe für Stufe erklommen.
Mittlerweile war das allmorgendliche Bauch-TTouchen ein festes Ritual geworden, das sich Angel von mir verlangte. Dann drehte sie sich auf den Rücken und präsentierte mir ihr straffes Bäuchlein. Sie genoss ihre Tellington-Touches bis in jede kleinste Zelle ihres Körpers und entspannte dabei völlig. Sie hörte auf zu hecheln und lag dann vollkommen ruhig und zufrieden da.
Seit dem 56. Tag waren dabei nun auch immer die Bewegungen der Welpen deutlich zu spüren ... ein ergreifendes Gefühl!
Zum ersten Mal konnte man am 59. Tag dann auch sehen, wie die “Beulen” in Angel’s Bauch sich bewegten.
Angel hatte bis zur Geburt ihrer Babies insgesamt 6 kg zugenommen und einen Bauchumfang von 82 cm. Da hatte sie ordentlich was zu schleppen ... Aber gottseidank ja nicht lange.

- Kapitel 6: Die Geburt -

Nachdem ich mit Finn am Sonntag noch die Begleithund-Prüfung gelaufen war, fiel Angel’s Temperatur an diesem Tag langsam ab und erreichte in der “Hexennacht” zum 01.Mai ihren Tiefpunkt unter 37°C. Begleitet wurde dieser Temperaturabfall von einer großen Unruhe bei Angel und ersten Senkwehen, was dazu führte, dass Angel die ganze Nacht hindurch fürchterlich jammerte und alle 1-2 Stunden raus musste, um sich zu lösen. An Schlaf war also für uns beide nicht zu denken. Allerdings setzten die Presswehen noch nicht ein, und zu meiner Überraschung fraß Angel auch am Montag Morgen noch ganz normal und sehr genüsslich ihr Futter. Hm, eigentlich hieß es, dass - wenn die Temperatur nach dem Abfall wieder steigt - die Geburt innerhalb der nächsten 24 Stunden beginnen würde. Aber eigentlich hieß es auch, dass die Hündin am Tage vor der Geburt das Essen verweigern würde, um sich für die bevorstehende Geburt entleeren zu können.
Nun, des Rätsels Lösung: Angel entleerte sich auch ... allerdings auf ihre Weise *grins*. Entgegen des “richtigen” Verhaltens aus den Lehrbüchern verzichtete Angel am letzten Tag ihrer Trächtigkeit auf keine einzige Mahlzeit ... und entleerte sich kurz vor Geburtsbeginn auf unserem Wohnzimmerteppich, wo das ganze Essen wieder raus kam ...
Eine viertel Stunde später zog sich Angel ohne große Unruhe oder Graben in ihren Kennel im Flur zurück und begann zu pressen. Da ich nicht wollte, dass sie im Kennel ihre Welpen bekam, wo ich ihr nicht helfen konnte, gingen wir nach oben in die Wurfkiste.
Bereits eine halbe Stunde später kam dann bereits der erste Welpe zur Welt: ein propperer blue merle Rüde. Da Angel noch nicht so recht wusste, was zu tun war, musste ich den kleinen Kerl aus der Fruchthülle befreien und ihm die Atemwege frei machen. Ab dem zweiten Welpen machte Angel das dann instinktiv richtig und ganz alleine. Der dritte Welpe, die erste der black tri Hündinnen, kam in Steißlage, dort musste ich ein wenig helfen. Angel blieb jedoch die ganze Zeit über absolut cool und livertraute mir. Sie nabelte ihre Babies sehr gut ab und putze die Welpen dermaßen gründlich und leidenschaftlich durch, dass der Kreislauf der Welpen so richtig in Schwung kam und sie gleich einen guten Start ins Leben hatten.

Angel brachte insgesamt 7 wunderschöne und kräftige Welpen zur Welt:
1. 19.04 Uhr - blue merle Rüde - 400g
2. 19.50 Uhr - black tri Rüde - 350g
3. 20.43 Uhr - black tri Hündin - 380g
4. 21.59 Uhr - black tri Hündin - 380g
5. 22.26 Uhr - blue merle Hündin - 400g
6. 23.16 Uhr - black tri Hündin - 360g
7. 00.29 Uhr - blue merle Hündin - 360g

Leider wurde das letzte Baby, ein unglaublich hübsches blue merle Mädchen, tot geboren. Ich konnte leider gar nichts mehr für es tun. So schwer es mir fiel, es sollte wohl nicht sein. Die Totgeburt dieses Babies ging mir unheimlich nahe, mehr als ich es mir hätte denken können. Ich habe der kleinen Maus den Namen “Clan EDORAS Amazing Blue Princess” gegeben und sie beerdigt, damit sich ihr kleines Seelchen einen neuen Körper suchen kann. Nachdem ich einen ganz Tag lang heftig getrauert und mich dann in dieser Form von meinem toten Baby verabschiedet hatte, konnte ich mich endlich zum ersten Mal richtig über meinen wundervollen Wurf freuen. Trotz dieses schmerzhaften Verlusts werden wir ganz bestimmt noch sehr viel Freude mit unseren sechs kleinen “Nachwuchs-Monstern” haben!

Glücklicherweise geht es den ersten sechs Welpen nämlich sehr gut und sie haben bereits vom ersten Tag stetig an Gewicht zugenommen und entwickeln sich von Tag zu Tag.

Aber das hier wäre ja kein “Wurf-Thriller”, wenn es jetzt hier enden würde ... Natürlich musste es mal wieder Aufregung geben. Am Mittwoch Morgen ging es Angel gar nicht gut. Sie hechelte, war sehr nervös und unruhig, lief ständig hin und her und wimmerte fürchterlich. Immer wieder kam sie hilfesuchend zu mir. “Da ist noch was drin!” Die Nachgeburten hatte ich gezählt, die waren komplett gewesen. War da etwa noch ein Welpe? Ich machte mir schreckliche Sorgen, denn ein verbliebener toter Welpe konnte schlimme Folgen haben, evtl wäre ein Kaiserschnitt notwendig, innere Vergiftungen wären möglich, eine echte Gefahr für Angel’s Leben. Also rief ich umgehend meine Tierärztin an. Nach meiner Schilderung schickte sie mich ohne Umweg gleich in die Tierklinik. “Jede Stunde kann zählen!” Ich war mit den Nerven völlig am Ende. Ich würde es mir nie verzeihen, wenn Angel etwas zustoßen würde. Also Welpen eingepackt und mit Angel in die Tierklinik. Die Fahrt dorthin kam mir noch nie so lange vor ... Dort angekommen wurde sofort eine Ultraschall-Untersuchung gemacht: Ja, da war etwas. Aber es war kein Welpe. Ein Teil einer Placenta, ca. 3-4 cm groß. Danach ging’s zum Röntgen, um den kompletten Bauchraum überschauen und sicher gehen zu können, dass nicht doch noch ein Welpe im Geburtskanal steckte. Glücklicherweise war da aber nichts mehr. “Nur” eben ein Teil einer Nachgeburt, der nicht mit raus gekommen war. Da der Geburtskanal frei war, bekam Angel eine Wehenspritze, um dieses Stück hinaus zu befördern. Angel’s Blutwerte wurden kontrolliert, um eine Entzündung auszuschließen oder gegebenenfalls zu behandeln. Da war jedoch alles in Ordnung.

Nach dem Schlafmangel, der Aufregung und dem Stress der letzten Tage konnten wir also endlich so allmählich zur Ruhe kommen. Angel konnte sich von Geburtsstress etwas erholen und wurde nun zunehmend ruhiger und gelassener. Angel ist wie erwartet eine sehr stolze, fürsorgliche und hingebungsvolle Mutti.

- THE END -

Weitere Infos und Photos zu den Welpen und ihrer Entwicklung finden Sie auf unserer Nachzucht-Seite

 

© 2011 copyright Susanne Meyer, CLAN EDORAS Australian Shepherds
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